Der Porsche Tennis Grand Prix wurde 2009 erstmals auf Sand ausgetragen. Für das Stuttgarter Traditionsturnier begann damit eine neue Ära. Ein Weltklasseturnier in der Halle und auf Sand – das war ein Novum in der Tennisgeschichte. Doch die Premiere in der Porsche-Arena, die rund um den Globus für Aufsehen sorgte, war ein voller Erfolg. Das Damentennis war um eine Attraktion reicher.
Die größte Herausforderung für die Organisatoren um Turnierdirektor Markus Günthardt war die Suche nach dem optimalen Sandplatz. Da die Auf- und Abbauzeiten in der Porsche-Arena mit ihren vielen Veranstaltungen sehr begrenzt sind, musste der neue Belag vor allem schnell zu verlegen sein. Nach langem Suchen wurde man in der Schweiz fündig: Bei dem von der Firma Sportas aus dem Münsterland entwickelten Belag, der von der Division Conica der BASF Construction Chemicals Europe AG in Schaffhausen hergestellt und vermarktet wird, spielt der Zeitfaktor kaum eine Rolle.
„Der Platz ist in 24 Stunden gebaut und, noch wichtiger, er ist in 24 Stunden hart“, sagt Markus Günthardt. Dadurch kann in den Tagen vor dem Turnier auch der gesamte Aufbau um den Platz herum so zügig erfolgen, wie es der enge Zeitplan vorsieht. Die guten Erfahrungen mit dem neuen Belag haben gezeigt, dass der Turnierdirektor und seine sportliche Leiterin Anke Huber gut beraten waren, sich mit der Platzwahl viel Zeit zu lassen. Schließlich ging es darum, den Spielerinnen im Hinblick auf die French Open in Paris Bedingungen zu bieten, die eine optimale Vorbereitung auf das Grand-Slam-Turnier in Roland Garros ermöglichen. Markus Günthardt: „Erst als wir nach vielen Tests davon überzeugt waren, dass alle damit zufrieden sein würden, haben wir uns für ein Konzept entschieden.“
Die lange Suche hat sich gelohnt. Die Spielerinnen waren begeistert vom ersten Porsche Tennis Grand Prix auf Sand und den Spielbedingungen in der Porsche-Arena. „Der Belag ist sehr schnell und fast identisch mit dem von Roland Garros“, so Elena Dementieva, die Olympiasiegerin aus Russland. Sabine Lisicki, der neue deutsche Tennisstar, lobte: „Bei Porsche haben sie wie immer einen guten Job gemacht.“ Auf diesen Lorbeeren haben sich die Organisatoren nicht ausgeruht, sondern den Platz, zusammen mit dem Hersteller, von Turnier zu Turnier weiter optimiert.
Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Sandplatz, der einen rund 50 bis 60 Zentimeter hohen Unterbau aus den verschiedensten Materialien benötigt, ist der Court in der Porsche-Arena gerade mal 2,5 Zentimeter dick. Der Basisbelag besteht aus Tonsplitt, der mit einem Bindemittel vermischt und von einer lasergesteuerten Spezialmaschine absolut eben aufgetragen wird. Als Unterlage auf dem Hallenboden dient eine ganz normale Plastikfolie, die verhindert, dass sich Boden und Belag verbinden.
Auf den Grundbelag wird roter Sand aus Ziegelmehl gestreut, der sich größtenteils in den Poren des Basisbelags festsetzt. Der Sand kommt aus Frankreich und ist mit einer Körnung von 0,1 Millimetern exakt derselbe, wie er bei den French Open in Roland Garros verwendet wird. Vor dem Ausstreuen wird der Sand mit einem umweltfreundlichen Spezialmittel vermischt, das der Luft Feuchtigkeit entzieht. Dadurch muss kein Wasser eingesetzt werden – der Platz hat auch so stets die optimale Feuchtigkeit. Ein weiterer Pluspunkt: Der Sand wird durch so gebunden, dass es nicht staubt, wenn die Spielerinnen nach einem Ball rutschen.
„Von den Spieleigenschaften her ist der Platz in der Porsche-Arena zu 98 Prozent identisch mit dem von Roland Garros“, verspricht Hans-Joachim Schneider, der den Belag entwickelt hat. „Er ist sehr kompakt, auch beim Hin- und Herrutschen gibt es keine Vertiefungen. Und der Ballabsprung ist an allen Punkten immer gleich, so dass Platzfehler praktisch ausgeschlossen sind.“
Allein für den rund 800 Quadratmeter großen Centre-Court in der Porsche-Arena werden fast 40 Tonnen Tonsplitt und etwa vier Tonnen Ziegelmehl verarbeitet. Und das alle Jahre wieder, denn die drei für den Porsche Tennis Grand Prix gebauten Plätze – Centre-Court, Court 1 und Trainingscourt – müssen nach dem Turnier abgebaut und entsorgt werden. Doch auch dafür hat Markus Günthardt eine ungewöhnliche Lösung gefunden: Das Material kann im Straßenbau wieder verwendet werden. Das ist nicht nur umweltfreundlich, es senkt auch die Kosten.