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Stuttgart. Anke Huber auf Dienstreise in Singapur: Bei den WTA Finals pflegt die Sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix Kontakte mit Spielerinnen, Managern und Funktionären. Wir haben mit ihr über Angelique Kerber gesprochen und über die neuesten Entwicklungen im Damentennis.

Der Kurztrip nach Singapur ist für Anke Huber kein reines Vergnügen. Sie hat viel zu tun. Das merkt man schon auf dem kurzen Weg von der Halle in den „Raquet Club“, wo sich die Ehrengäste der WTA Finals zwischen den Matches bei Cocktails und Fingerfood entspannen. Erst klingelt ein paarmal ihr Handy, dann wird sie von Steve Simon in Beschlag genommen, dem CEO der WTA. Die Sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix, das ist nicht zu übersehen, ist bestens vernetzt in der Szene. Bevor sie sich aufmacht, Sascha Bajin zu treffen, den Trainer der sensationellen US-Open-Siegerin Naomi Osaka, die sie unbedingt nach Stuttgart locken will, nimmt sie sich für uns Zeit. Und sagt über...


...die Chancen von Angelique Kerber bei den WTA Finals:

„Ich traue Angie trotz ihrer Auftaktniederlage noch viel zu. Sie ist eine Kämpferin, die nie aufgibt. Sie hatte ein sehr gutes Jahr und wirkt auch jetzt noch erstaunlich fit. Mit dem Sieg in Wimbledon hat sie sich ihren großen Traum erfüllt. Sie muss jetzt nichts mehr beweisen. Die WTA Finals, diese letzte große Herausforderung des Tennisjahres, könnte sie mit der Gelassenheit angehen, die es ihr erlaubt, ohne allzu großen Druck ihre bestes Tennis abzurufen. Im ersten Satz gegen Kiki Bertens hat sie das auch hervorragend umgesetzt. Doch dann hat sie das Match leider noch aus der Hand gegeben.“

...die aktuelle Situation im Damentennis:

„Ich würde nicht darauf wetten wollen, wer diese Finals gewinnt. Vor vier, fünf Jahren wäre eine Vorhersage noch einfacher gewesen. Doch in dieser Saison hat sich an der Spitze einiges getan. Wenn man bedenkt, dass allein die vier Grand-Slam-Turniere von vier verschiedenen Spielerinnen gewonnen wurden, dann spricht das für eine große Leistungsdichte. Die hat es in den letzten Jahren nicht gegeben. Das ist eine sehr positive Entwicklung.“

...die Spielerinnen, die sie 2018 am meisten beeindruckt haben:

„Als erstes natürlich Naomi Osaka. Wie die junge Japanerin im Hexenkessel von Flushing Meadows gegen Serena Williams die US Open gewonnen hat, war schon sehr beeindruckend. Ich erinnere mich noch, wie sie 2016 beim Porsche Tennis Grand Prix die Qualifikation gespielt hat. Schon da hat sie ihr großes Talent gezeigt. Ihr gehört die Zukunft. Aber auch Angelique Kerber ist als Wimbledonsiegerin eine der großen Gewinnerinnen 2018, ebenso Simona Halep, die nach ihrem Sieg bei den French Open auch in diesem Jahr als Nummer 1 in die Winterpause geht.“

...eine mögliche Wachablösung an der Spitze des Damentennis:

„Die sehe ich noch nicht. Bei allem Respekt vor den Leistungen von Noami Osaka oder von Daria Kasatkina, die es jetzt auch in die Top 10 geschafft hat: Ich glaube schon, dass Spielerinnen wie Simona Halep, Caroline Wozniacki, Petra Kvitova und natürlich Angelique Kerber immer noch stark genug sind, ihre Positionen auch in den nächsten Jahren zu behaupten. Trotzdem ist es schön zu sehen, dass immer wieder hochtalentierte junge Spielerinnen nachkommen, die mit aller Macht an die Spitze wollen.“

...Julia Görges, die die Qualifikation für die WTA Finals verpasst hat:

„Es ist wirklich schade, dass es für sie nicht ganz gereicht hat. Sie spielt jetzt nächste Woche bei der WTA Elite Trophy in China und hat dort trotz sehr starker Konkurrentinnen wie Garbine Muguruza und Caroline Garcia sicherlich gute Chancen, ihren im Vorjahr gewonnenen Titel erfolgreich zu verteidigen. Jule hat eine starke Saison gespielt und ist sicherlich gut genug für eine schnelle Rückkehr in die Top 10.“

...ihr letztes WTA Finale als Spielerin:

„Das war 2001 in München. Damals waren noch 16 Spielerinnen qualifiziert, und gespielt wurde im normalen Turniermodus – eine Niederlage, und du warst draußen. Leider ist mir das gegen Justine Henin passiert, die Belgierin, die später 100 Wochen die Nummer 1 der Welt war. Das war am 31. Oktober. Ich weiß das deshalb so genau, weil ich mit diesem Match meine Karriere beendet habe.“

...über ihre Reise nach Singapur:

„In erster Linie geht es darum, die guten Kontakte zu den Spielerinnen zu pflegen. Jede Spielerin ist vom Typ her anders, das macht es sehr interessant. Ich werde auch mit ihren Trainern und Managern sprechen mit dem Ziel, dass sie auch 2019 wieder unser Turnier spielen. Solche Reisen sind zwar ein großer zeitlicher Aufwand, doch der lohnt sich, wie man alle Jahre wieder an unserem tollen Starterfeld ablesen kann.“

...über die Wahrscheinlichkeit, dass alle Singapur-Finalistinnen 2019 in Stuttgart spielen:

„Es haben zwar noch nicht alle fest zugesagt, aber ich gehe einfach mal davon aus.“




Anke Huber, geboren am 4. Dezember 1974, hat insgesamt zwölf WTA-Turniere gewonnen. Das herausragende Match ihrer Karriere war 1995 das Masters-Finale gegen Steffi Graf. Im Jahr darauf spielte sie bei den Australian Open gegen Monica Seles ihr einziges Grand-Slam-Finale. Seit 2002 ist die einstige Nummer 4 der Weltrangliste Sportliche Leiterin des Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart, den sie 1991 und 1994 gewonnen hat.

24.10.2018

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